Pflegebedürftig – was tun?
Erste Schritte, wenn ein Angehöriger Pflege braucht – von der Bestandsaufnahme bis zum Antrag bei der Pflegekasse.
Wenn ein Mensch im engsten Umfeld plötzlich pflegebedürftig wird – sei es nach einem Krankenhausaufenthalt, im Verlauf einer chronischen Erkrankung oder altersbedingt – stehen Angehörige oft vor vielen offenen Fragen gleichzeitig. Die wichtigsten Schritte helfen, schnell handlungsfähig zu werden.
Bestandsaufnahme: Was ist konkret nötig?
In einem ersten Schritt lohnt sich eine ruhige Bestandsaufnahme: Welche Tätigkeiten gelingen noch selbst, wobei wird Unterstützung gebraucht? Häufig betrifft das die Körperpflege, die Zubereitung von Mahlzeiten, die Mobilität oder das Erinnern an Termine und Medikamente. Auch der psychische Zustand spielt eine Rolle – etwa wenn Vergesslichkeit, Antriebslosigkeit oder Verunsicherung auftreten.
Antrag bei der Pflegekasse
Sobald sich ein dauerhafter Hilfebedarf abzeichnet, sollte ein Antrag auf Leistungen bei der Pflegekasse gestellt werden. Die Pflegekasse ist organisatorisch an die Krankenkasse angegliedert; ein formloser Anruf oder ein Antragsformular genügt zunächst, um das Verfahren in Gang zu setzen. Anschließend folgt eine Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD) – in der Regel im häuslichen Umfeld – und die Einstufung in einen der fünf Pflegegrade.
Beratung in Anspruch nehmen
Pflegebedürftige und ihre Angehörigen haben einen gesetzlichen Anspruch auf eine unabhängige Pflegeberatung. Diese Beratung ist kostenlos und richtet sich nach der individuellen Situation. Hier geht es um die richtige Mischung aus Pflegegeld, Pflegesachleistungen, Entlastungs- und Vorsorgeleistungen sowie um die Frage, wie sich Pflege und Alltag langfristig vereinbaren lassen.
Frühzeitig vernetzen
Pflege ist selten eine Aufgabe für eine einzelne Person. Schon zu Beginn lohnt es sich, Familie, Freunde und Nachbarschaft einzubeziehen, an Pflegekurse für Angehörige zu denken und die Frage von Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung nicht aufzuschieben. Je früher das Versorgungsnetz steht, desto entspannter wird der gesamte Pflegealltag.
Hinweis: Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle Beratung. Verbindliche Auskünfte erteilen die Pflegekassen sowie anerkannte Beratungsstellen.